
Entschlüsselung der Inhaltsstoffe im Hundefutter
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Die Qualität eines Futters entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Hund ausreichend mit allen essenziellen Nährstoffen versorgt wird oder ob es langfristig zu Defiziten, Unverträglichkeiten oder gesundheitlichen Belastungen kommt. Die Deklaration auf dem Etikett ist dabei die wichtigste objektive Informationsquelle. Sie liefert entscheidende Hinweise zur Zusammensetzung, zur Qualität der eingesetzten Rohstoffe und zum tatsächlichen Nährstoffprofil eines Futters.
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Gleichzeitig ist sie trotz klarer gesetzlicher Vorgaben für viele Hundebesitzer schwer verständlich. Begriffe wie Nebenerzeugnisse, Mehle, Rohasche oder analytische Bestandteile wirken auf den ersten Blick technisch und wenig transparent. Häufig bleibt unklar, was sich genau dahinter verbirgt und welche Schlüsse man daraus für die Gesundheit des eigenen Hundes ziehen kann.
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Diese Seite soll Orientierung geben, Klarheit schaffen und dir ermöglichen, ein Futtermittel fachlich fundiert zu beurteilen. Ziel ist es, die Deklaration verständlich zu machen und dir das Wissen an die Hand zu geben, um Qualität, Herkunft und Eignung eines Futters unabhängig von Marketingversprechen und Werbebildern sicher einschätzen zu können.



Gesetzliche Grundlagen​:
Was muss auf dem Etikett stehen?
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Hersteller von Heimtierfutter unterliegen in der EU verbindlichen Vorschriften. Diese sollen gewährleisten, dass​
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der Verbraucher nicht getäuscht wird,
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die tierische Gesundheit nicht gefährdet wird,
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und die Zusammensetzung nachvollziehbar ist.
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Auf jeder Verpackung müssen u. a. folgende Angaben enthalten sein:
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Art des Futters (z. B. Alleinfutter oder Ergänzungsfutter)
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Zutaten bzw. Zusammensetzung
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Analytische Bestandteile (Nährstoffgehalte)
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Zusatzstoffe (z. B. Vitamine oder technologische Zusätze)
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Herstellerangaben und Produktionsort
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Mindesthaltbarkeitsdatum
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Fütterungsempfehlung
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Diese Pflichtangaben geben einen ersten Rahmen – wie viel Transparenz ein Hersteller darüber hinaus bietet, ist jedoch sehr unterschiedlich und entscheidend für die Qualitätsbeurteilung.
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Futterarten im Überblick: ein erster Qualitätsindikator
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Die gesetzliche Bezeichnung auf der Verpackung liefert bereits wichtige Hinweise:
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Alleinfuttermittel:
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Der Hersteller ist gesetzlich verpflichtet, alle essenziellen Nährstoffe ​in ausreichender Menge bereitzustellen.
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Es deckt den täglichen Bedarf vollständig ab und kann ohne weitere Ergänzungen gefüttert werden.
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Für die meisten Hunde die Grundlage der täglichen Ernährung.
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Diät-Alleinfuttermittel:
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Speziell konzipiert zur ernährungsphysiologischen Unterstützung bei bestimmten Erkrankungen, z.B. Nierenproblemen oder Übergewicht.
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Diese Futtermittel unterliegen zusätzlich gesetzlichen Vorlagen und müssen klar gekennzeichnet sein.
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Wird meist zeitlich begrenzt und therapeutisch eingesetzt.
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Einzelfuttermittel:
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Besteht aus nur einer einzigen Zutat oder einem Rohstoff, z.B. reines Fleisch, Gemüseflocken oder Öle.
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Wichtiges Element in BARF-Plänen oder selbstgekochten Rationen, aber immer nur ein Teil des Ganzen.
Ergänzungsfuttermittel:
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Enthält mehrere Bestandteile, deckt den Nährstoffbedarf jedoch nicht vollständig ab.
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Es muss zwingend mit weiteren Komponenten kombiniert werden, um eine ausgewogene Versorgung sicherzustellen.
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Häufig in Snacks, Flockenmischungen oder speziellen Zusatzprodukten zu finden.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
Gerade der Unterschied zwischen Alleinfutter und Ergänzungsfutter wird im Alltag häufig übersehen. Ein Ergänzungsfutter wirkt auf den ersten Blick oft hochwertig, kann aber allein gefüttert langfristig zur Nährstoffmängeln führen.
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Deklaration:
Wie viel Transparenz bietet der Hersteller?
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​​​Hersteller können gesetzlich frei wählen, wie detailliert sie ihre Zutaten deklarieren. Das hat erhebliche Auswirkungen auf die
Einschätzbarkeit eines Futters.
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Offene Deklaration – maximale Transparenz
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Alle Zutaten werden einzeln und mit Prozentangabe aufgelistet.
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Beispiel: Hühnerfleisch 45 %, Hühnerherz 15 %, Karotten 5 %, Lachsöl 1 %
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Du weißt exakt, was enthalten ist und in welchem Umfang.
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Besonders geeignet für Hunde mit Allergien oder sensibler Verdauung.
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Halboffene Deklaration – Zutaten sichtbar, Mengen unklar
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Die Bestandteile werden genannt, jedoch ohne Prozentangaben.
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Beispiel: Hühnerfleisch, Herz, Karotten, Lachsöl
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Grundlegend nachvollziehbar, aber keine genaue Einschätzung der Gewichtung möglich.
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Geschlossene Deklaration – geringste Aussagekraft
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Es werden lediglich Gruppenbegriffe verwendet.
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Beispiel: Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, pflanzliche Nebenerzeugnisse, Öle und Fette
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kaum Rückschlüsse auf Rohstoffqualität
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hoher Spielraum für minderwertige Zutaten
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besonders problematisch bei Allergikern
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Nebenerzeugnisse: ein Begriff mit großer Bandbreite
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„Nebenerzeugnisse“ sind nicht automatisch minderwertig. Entscheidend ist was sich dahinter verbirgt.
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Tierische Nebenerzeugnisse:
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hochwertige Innereien (Herz, Leber, Niere)
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aber auch minderwertige Reststoffe (Knochenmehle, Klauen, Federn, Häute)
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Ohne präzise Aufschlüsselung bleibt die Qualität unklar.
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Pflanzliche Nebenerzeugnisse:
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nützliche Ballaststofflieferanten
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aber auch unverdauliche Füllstoffe wie Schalen oder Pressrückstände
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Eine offene oder halboffene Deklaration ist hier immer vorzuziehen.
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Mehle im Trockenfutter:
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Trockenfutter enthält häufig unterschiedliche „Mehle“. Der Begriff ist nicht gleichbedeutend.
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Fleischmehl
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getrocknetes Fleisch (tierisches Gewebe mit ernährungsphysiologischem Wert)
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kann sehr hochwertig sein – stark abhängig von der Herkunft
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Geflügelmehl / Rindmehl / Tiermehl
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kann sämtliche Tierbestandteile enthalten
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große Schwankung der Qualität
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hier lohnt sich ein besonders kritischer Blick, da hochwertige Hersteller klar trennen
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Analytische Bestandteile
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Diese Werte entsprechen der „wissenschaftlichen Nährwerttabelle“ des Futters:
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Rohprotein – Gesamtproteingehalt (tierisch + pflanzlich)
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Rohfett – Energiestoffe & Träger essentieller Fettsäuren
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Rohasche – Mineralstoffgehalt nach Veraschung
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Rohfaser – Ballaststoffe, wichtig für Darmmotorik
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Feuchtigkeit – relevant v. a. bei Trocken- und Halbtrockenfutter
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Wichtig:
Hohe Protein- oder Fettwerte bedeuten nicht automatisch hohe Qualität, entscheidend ist die Quelle (Muskelfleisch vs. Weizenkleber).
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Zusatzstoffe: Unverzichtbar oder kritisch?
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Unter Zusatzstoffen versteht man u. a.:
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Vitamine
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Mineralstoffe
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Antioxidantien
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Konservierungsstoffe
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technologische Hilfsstoffe
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Besonders relevant:
Ein hoher Anteil synthetischer Vitamine kann ein Hinweis auf starke Verarbeitung oder geringe Grundqualität der Rohstoffe sein.
Natürliche Ergänzungen (z. B. Seealgenmehl, Kräuter, Öle) sprechen eher für ein schonenderes Herstellungsverfahren.
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Fütterungsempfehlung:
Orientierung, nicht Standard​
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Der tatsächliche Bedarf ist individuell und hängt u. a. ab von:
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Aktivität
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Muskelmasse
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Stoffwechseltyp
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Umgebungstemperatur
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Alter und Gesundheitszustand
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Wichtig:
Ein Futter, das in sehr großen Mengen gefüttert werden muss, weist oft auf eine geringe Nährstoffdichte hin.
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Herkunft und Produktionsweise:
ein oft unterschätzter Faktor
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Der Produktionsort gibt wichtige Hinweise:
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EU-Produktion unterliegt strengeren Vorgaben
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Rohstoffe in „Lebensmittelqualität“ bieten hohe Sicherheit
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kurze Lieferketten bedeuten oft bessere Rückverfolgbarkeit
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Worauf solltest du bei der Futterauswahl achten?
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✔ transparente, möglichst offene Deklaration
✔ klare Benennung der tierischen Komponenten
✔ keine unpräzisen Sammel- oder Gruppenbegriffe
✔ hoher Anteil an hochwertigem Fleisch
✔ möglichst wenige künstliche Zusatzstoffe
✔ nachvollziehbare Herkunft und transparente Produktionsprozesse
✔ analytische Werte in einem ausgewogenen Verhältnis
✔ hohe Rohstoffqualität statt Marketingbegriffe und Werbeversprechen
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Fazit: Die Deklaration ist der Schlüssel zur echten Futterqualität
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Wer die Futtermitteldeklaration lesen und richtig interpretieren kann, verfügt über ein objektives und zuverlässiges Werkzeug. Es ermöglicht eine Einschätzung, die unabhängig von Preis, Verpackungsdesign oder werblichen Aussagen funktioniert. Allein die tatsächliche Zusammensetzung zeigt, ob ein Futter hochwertig ist, ob es den Bedürfnissen des eigenen Hundes entspricht und ob es langfristig zu Gesundheit und Wohlbefinden beiträgt. Mit dem Wissen aus diesem Leitfaden kannst du künftige Produkte sicherer, bewusster und fundierter beurteilen und eine Ernährung wählen, die deinem Hund wirklich guttut und ihn optimal versorgt.

